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Praxis Methodenkompetenz:

Themen am Anfang des Lernens anregend wiederholen!
Geschäftsmann Manager startet Papierflugzeug Origami mit Teamkollegen

© Nuthawut Somsuk/iStock/Getty Images Plus

Nur 15 Minuten können über den Erfolg eines ganzen Trainingstages entscheiden! Es ist vor allem die Einstiegsphase, die über das Gelingen des gesamten Lerntages entscheidet.

In dieser fokussierten Phase sollten wir die pädagogisch-dramaturgischen Erfolgsfaktoren wie Sie in Artikel 2 dieser Serie beschrieben wurden, ganz besonders beachten. Im pädagogischen Alltag geht es in der Einstiegsphase vor allem um die Wiederholung des bereits erarbeiteten Wissens. Ich zeige Ihnen drei konkrete Einstiegsmethoden, mit denen man Vorwissen oder bereits Gelerntes anregend wiederholen kann. Bei den vorgestellten Methoden geht es primär um den Diskussions- und Interpretationsprozess und weniger um das „richtige“ Ergebnis (dafür gibt es ja dann die Prüfungssimulation). Die drei Einstiegsmethoden sind in jedem (!) Fach anwendbar:

Methode 1: Das Wissensnetz sichtbar machen

Vorhandenes Wissen mit einem visuellen Netzwerk reflektieren.

Hier steigen Sie mit einer fokussierenden Denkform, mit einer Gruppenarbeit, an verschiedenen Orten im Lernraum und mit Metaplanwänden ein. Das geht ganz einfach: 

  • Dier Lerngruppe wird zufällig in drei bis vier Kleingruppen unterteilt. Jede Kleingruppe notiert ca. 10 – 20 Schlagwörter auf Karteikarten, die die bisherigen Lerninhalte zusammenfassen. Je höher die Anzahl der eingeforderten Schlagworte, desto anspruchsvoller wird die Aufgabe. Nachdem die Kleingruppen ihre Schlagworte auf die Metaplanwand gepinnt haben, werden diese logisch zusammenhängend mit einem Wollfaden verbunden, sodass ein Wissensnetzwerk entsteht. Im Idealfall hat jede Gruppe unterschiedlich farbige Wollfäden. Die Gesamtzeit dafür ist ca. 15 Minuten. 
  • Die so entstandenen Netzwerkbilder werden von den Kleingruppen reihum besucht und mit Schlüsselfragen diskutiert: 

    Was ist anders als bei unserem Netzwerk?

    Welche Fokuspunkte wurden gesetzt? 

    Wie interpretieren wir das Bild? 

    Die Gesamtzeit hierfür ist ca. 10 Minuten. 

  • Abschließend diskutiert die Gesamtgruppe die Ergebnisse, die Sie als Dozent oder Dozentin ergänzen. 

Methode 2: Von der Einzelidee zur Gruppen-Schlüsselerkenntnis

Vorhandenes Wissen mit Schlagworten zusammenfassen.

Hier steigen Sie auch mit einer fokussierenden Denkform, unterschiedlichen Sozialformen an verschiedenen Orten im Lernraum ein. Eine Visualisierung bleibt aus. Und so geht es: 

  • Jeder Lernende fasst das bisherige Wissen mit drei Erkenntnissen zusammen (ca. 3 Minuten).
  • Jeder Lernende wählt die wichtigste Erkenntnis aus (1 Minute).
  • Die wichtigste Erkenntnis wird mit dem Nachbarn oder der Nachbarin diskutiert. Die Partnergruppen müssen sich auf eine wichtigste Erkenntnis einigen (2 Minuten).
  • Die Partnergruppen treffen sich mit einer weiteren Partnergruppe. Wiederum einigt man sich auf eine zentrale Erkenntnis (4 Minuten).
  • Die Gruppenerkenntnisse werden erneut mit anderen Gruppenerkenntnissen abgeglichen und priorisiert. Ziel ist es, dass sich die gesamte Lerngruppe auf eine einzige Schlüsselerkenntnis einigt. 

Methode 3: Neue Blickwinkel – Assoziieren am Fenster

Vorhandenes Wissen mit einer systematischen Assoziation aktivieren.

Hier steigen Sie mit einer assoziativen Denkform im Plenum ein und verändern für kurze Zeit den Lernort. Eine Visualisierung bleibt aus. So machen Sie es: 

  • Die Lerngruppe begibt sich zum Fenster (oder geht sogar vor das Lerngebäude). 
  • Die zu bearbeitende Schlüsselfrage lautet: 

    Was sehen Sie, das mit den bisherigen Themen zu tun hat? 

    Wo gibt es Ähnlichkeiten? 

    Wo gibt es Unterschiede? 

  • Jetzt geben Sie der Gruppe ein wenig Zeit, damit Assoziationen entstehen können (z. B. Abrenzungsrechnung ist wie die Fensterfront, weil ... oder Die holprige Straße ist wie ein schlechter Stromleiter, weil ...)
  • Sie können die Assoziationen aufnehmen und fachlich nebenbei vertiefen (Was ist noch einmal das Prinzip der Abgrenzungrechnung? Wie berechnet man eigentlich den Widerstand in einem Stromkreis?)
  • Nach ca. 15 Minuten fassen Sie die gewonnenen Erkenntnisse kurz zusammen. 

Probieren Sie einfach einmal eine dieser Einstiegsmethoden aus. Natürlich können Sie einzelne Elemente so abändern, wie es für die Lerngruppe passt. 

Viel Spaß, alles Gute und bis zum nächsten Mal, Ihr 

Unterschrift Gregor Kern

© Gregor Kern

 

Kern_Dr_Gregor

© Neele Fütterer

Über den Autor

Dr. phil. Gregor Kern

Ausbildung zum Großhandelskaufmann, danach Studium der Pädagogik einschließlich Promotion.
Seine wissenschaftlichen Schwerpunkte liegen in den Bereichen:

  • Lernen erwachsener Menschen
  • Zusammenarbeit, Kommunikation, Führung

Dr. Kern arbeitete viele Jahre für verschiedene IHKs im Bereich der beruflichen Bildung, zuletzt als pädagogischer Leiter des IHK-Bildungszentrums in Karlsruhe. Seit 2016 ist er freiberuflicher Trainer, Berater und Coach.

Meine Website: www.gregor-kern.de

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