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Kermit oder Django... Wir kommunizieren immer!

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© robuart/iStock

Kennen Sie das? Da hat man als Dozentin oder Dozent eine großartige Idee, redet mit anderen darüber und es passiert... nichts. Nur weil ein Einfall im (Unterrichts-)Raum steht, bedeutet das noch lange nicht, dass diese Idee auch zu einer neuen Normalität wird. Oder prägnanter: „Tun ist wie wollen. Nur krasser.“ Diesen Spruch habe ich vor einiger Zeit auf einem T-Shirt gelesen. Und mit genau dieser Einsicht startet unsere gemeinsame, über elf weitere Stationen verlaufende Reise zu den Möglichkeiten, die Kommunikation im Lehrgang zu optimieren. Sind Sie dabei? Prima, auf geht’s …

Wir sind ziemlich fremdbestimmt

Der Kybernetiker Paul Watzlawick formulierte es am prägnantesten: „Wir können nicht nicht kommunizieren!“ Wir teilen unserer Umgebung immer und ständig mit, wie es uns geht, ob wir dies wollen oder nicht. Doch wie verarbeiten wir diese unheimliche Informationsflut?

Gar nicht. Oder zumindest nicht bewusst. Denn tatsächlich nehmen wir nur ca. fünf Prozent der gesendeten und empfangenen „Kommunikationen“ bewusst wahr. Machen Sie sich diese Aussage noch klarer: Sie verarbeiten alle empfangenen Informationen (im Unterricht) zum allergrößten Teil, zu 95 Prozent, unbewusst. Diese aufgenommenen Informationen beeinflussen wiederum Ihr eigenes Wahrnehmen, Fühlen, Denken und Handeln in einer ebenso unbewussten Weise. Das führt zu einer unangenehmen Einsicht: Wir bestimmen unser Fühlen, Denken und Handeln nur zu einem Bruchteil selbst.

Aber wir können souveräner damit umgehen …

Gliedert man Kommunikation in drei Bereiche, werden praktische Tipps, wie Sie im Lehrgang souveräner und überzeugender erscheinen, leichter sicht- und umsetzbar.

verbale Signale


Was bedeutet es?
Bei den verbalen Signalen geht es um gesprochene und visuelle Informationen, also Sprache und Bilder bzw. Schrift.

Was wirkt negativ?

Schon einzelne Wörter verstärken oder verringern Macht und Souveränität: „Eigentlich“, „hätte“, „könnte“, „müsste“, „vielleicht“, „normalerweise“ … all diese Begriffe verringern die Kompetenzwirkung.

Was wirkt positiv?

Kurze, klare Sätze ohne Füllwörter verstärken den Eindruck von Souveränität und sind überzeugender.

paraverbale Signale

Was bedeutet es?

Paraverbale Signale sind die Tonhöhe und die Lautstärke, das Tempo, die Aussprache und die Modulation.

Was wirkt negativ?

Eine zu schnelle Sprache mit einer zu hohen, lauten, stark modulierenden Stimme und einer nuscheligen Aussprache wirkt wenig kompetent.

Was wirkt positiv?

Sprechen Sie hingegen mit einer tieferen Stimme, angemessen laut und langsam mit einer geringeren Modulation, wirken Sie wie ein(e) Revolverheld(in) kurz vor dem Showdown.

nonverbale Signale

Was bedeutet es?

Nonverbale Signale sind alle Informationen, die über Augenbewegungen, Gesten, die Mimik und über unsere Körperhaltung, aber auch über Unterrichtsmedien, übertragen werden. Zudem zählt auch die Wirkung der gesamten Umgebung dazu.

Was wirkt negativ?

Wenig souverän wirken hektische und abgehakte Bewegungen und eine kleinteilige, quasi „unaufgeräumte“ Umgebung.

Was wirkt positiv?

Verwenden Sie jedoch eine ruhige Körpersprache mit großen Bewegungen in einer klar strukturieren Umgebung, erhöht dies automatisch Ihre Souveränität und Überzeugungskraft im Seminarraum.

Möchten Sie einen wenig souveränen Auftritt („worst case“) erleben, sehen Sie sich einfach Kermit den Frosch oder irgendeine Komödie an. Für Beispiele absoluter Souveränität und Macht („best case“) empfehle ich Django oder einen Superheldenfilm.

Achten Sie bei Ihren nächsten Lehrveranstaltungen auf sich selbst und Ihre Teilnehmerinnen bzw. Teilnehmer: Welche verbalen, paraverbalen und nonverbalen Signale werden gesendet? Und wie wirken diese auf Sie bzw. die Teilnehmenden?

Viel Spaß, alles Gute und bis zum nächsten Mal, Ihr

Unterschrift Gregor Kern

© Gregor Kern





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© privat

Über den Autor

Dr. phil. Gregor Kern

Ausbildung zum Großhandelskaufmann, danach Studium der Pädagogik einschließlich Promotion
Seine wissenschaftlichen Schwerpunkte liegen in den Bereichen

  • Lernen erwachsener Menschen
  • Zusammenarbeit, Kommunikation, Führung

Dr. Kern arbeitete viele Jahre für verschiedene IHKs im Bereich der beruflichen Bildung, zuletzt als pädagogischer Leiter des IHK-Bildungszentrums in Karlsruhe. Seit 2016 ist er freiberuflicher Trainer, Berater und Coach.