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Pädagogische Strategie

Erfolgsfaktoren einer gelungenen Gesamtdramaturgie!
Geschäftsstrategie von Innovation und kreativen Lösungen, winzige Menschen kombinieren Zahnräder

© Flashvector/iStock/Getty Images Plus

Im ersten Teil wurde deutlich, warum Methodik weit mehr ist als bloße Abwechslung im Unterricht: Sie entscheidet mit darüber, ob Lernen hängen bleibt und Lust auf mehr macht. Jetzt geht es um den nächsten Schritt – um die Frage, wie aus guten Methoden eine Dramaturgie wird, die Neugier weckt, Spannung hält und Lernerfolge gezielt inszeniert.

Gelungener Unterricht, Seminare oder Workshops folgen einer bewusst geplanten Dramaturgie, die nur auf den ersten Blick einfach ist. Die dramaturgische Grundstruktur besteht aus drei Phasen: 

  • Einstieg: Wie startet der Lerntag bzw. jedes neue Thema?
  • Erarbeitung: Wie werden die geplanten Lerninhalte angeeignet?
  • Ausstieg: Wie wird der Lernprozess transferorientert beendet? 

Die erste Komplexitätssteigerung entsteht durch die Integration vier kommunikativer Dimensionen in dieses Ablaufmodell: 

  • sachlich-inhaltlich: Um was geht es? Und was soll erreicht werden?
  • individuell-persönlich: Was ist für den einzelnen Lernenden relevant?
  • prozedural-methodisch: Ist es für die Lernenden abwechslungsreich-unterhaltsam?
  • sozial-beziehungsorientiert: Wird der Status der Lernenden anerkannt oder erhöht? 

In jeder pädagogischen Lehrphase müssen also die vier genannten Dimensionen beachtet werden. Aber da ist noch mehr. Die nächste Komplexitätssteigerung entsteht durch die Beachtung von wiederum vier neurobiologisch fundierten Lehr- bzw. Lernprinzipien

  • Vertrauen: Jede Lernphase erhöht das Selbstvertrauen und das Vertrauen in die Gruppe, da nur in einer vertrauensvollen Lernumgebung das Gehirn zu konstruktiv-kreativen Lernleistungen fähig ist.
  • Neugierde: Jede Lernphase erzeugt ein aktives Interesse am weiteren Unterrichtsverlauf. Neugierde erzeugt die so wichtige Konzentration auf das Wesentliche (und eben nicht auf das Smartphone).  
  • Erfolgserlebnisse: Jede dramaturgische Lernphase ermöglicht direkte Erfolgserlebnisse, da diese nicht nur das Thema im Gedächtnis verankern, sondern auch Lust auf Mehr machen.
  • Vorbildrolle: Jede Lernphase braucht die spürbar begeisternde Vorbildrolle der Lehrenden. Durch unsere Fähigkeit zur Empathie springt diese Begeisterung auf die Lernenden über. 

Komplex? Ja – und genau darin liegt Ihre neue Freiheit

Jede der drei Lernphasen muss also vier kommunikative Dimensionen beachten. Und jede kommunikative Dimension muss wiederum vier neurobiologisch begründeten Lehr- bzw. Lernprinzipien erfüllen. Auf der einen Seite kann man sich angesichts dieser Gütekriterien schnell überfordert fühlen. Andererseits schenkt uns dieses Konzept eine neue Freiheit. 

Durch die analytische Betrachtung der pädagogischen Dramaturgie entstehen fast unendlich viele Möglichkeiten, wie man diese konkret entwickeln kann – genauso wie es unendlich gute Erzählstränge gibt. Zwar gibt es kein Patentrezept für einen gelungenen Einstieg, jedoch immer wieder neu zu findende, situativ passende Lösungen: Was bei einer Dozentin in einem Lehrgang überaus gut funktioniert, kann beim nächsten Dozenten in einem anderen Lehrgang geradezu katastrophal enden. 

Mit dieser Betrachtungsweise haben Sie die Chance, die eigene pädagogische Kompetenz immer weiter zu professionalisieren. Wenn Sie es schaffen, Ihren Unterricht wie einen spannenden Film oder eine fesselnde Serie aufzubauen, in der die Lernenden keine Sekunde verpassen möchten, dann haben Sie die oben beschriebenen Prinzipien perfekt erfüllt. 

Reflexion-Check

Betrachten Sie Ihren Unterricht einmal durch die Brille der oben beschriebenen Gütekriterien. Welche erfüllen Sie in den einzelnen Phasen? Und in welcher Phase könnten Sie noch besser werden? 

Viel Spaß, alles Gute und bis zum nächsten Mal, Ihr 

Unterschrift Gregor Kern

© Gregor Kern

 

Kern_Dr_Gregor

© Neele Fütterer

Über den Autor

Dr. phil. Gregor Kern

Ausbildung zum Großhandelskaufmann, danach Studium der Pädagogik einschließlich Promotion.
Seine wissenschaftlichen Schwerpunkte liegen in den Bereichen:

  • Lernen erwachsener Menschen
  • Zusammenarbeit, Kommunikation, Führung

Dr. Kern arbeitete viele Jahre für verschiedene IHKs im Bereich der beruflichen Bildung, zuletzt als pädagogischer Leiter des IHK-Bildungszentrums in Karlsruhe. Seit 2016 ist er freiberuflicher Trainer, Berater und Coach.

Meine Website: www.gregor-kern.de

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