Pfadnavigation

Fokus Methodenkompetenz:

Zeitpläne einfach besser planen und einhalten!
Geschäftsfrau-Kontrolle Projektmanagement-Fähigkeit

© Blueastro/iStock/Getty Images Plus

Gerade unerfahrene Dozentinnen oder Dozenten mit neuen bzw. erweiterten Rahmenplänen berichten mir häufig, dass die Zeitgestaltung im Unterricht ein relevantes Problem darstellt. Ich teile meine Erkenntnisse gerne mit Ihnen.

Zum einen löst sich dieses Problem durch praktische Erfahrung. Zum anderen kann man mit der Methodik-Maschine die zeitliche Gestaltung in der Lehrsituation selbst problemlos steuern. 

Fünf Regeln für Ihren Zeitplan

Werfen wir zuerst einen Blick auf fünf grundlegenden Regeln pädagogischer Zeitplanung: 

  1. Zuerst erstellen wir einen Trainingsplan, der neben den Inhalten auch die verwendeten Methoden, Medien und vor allem die geplanten Zeitfenster enthält.
  2. Dabei gliedern wir die einzelnen didaktisch-methodischen Schritte so fein, dass wir uns das Vorgehen konkret vorstellen können. Auf diese Weise bekommen wir ein besseres Gespür und können die Zeitfenster genauer prognostizieren. (Aber Vorsicht, wir dürfen die einzelnen Unterrichtsphasen nicht zu fein gliedern!)
  3. Zudem beachten wir, dass die Lernenden in Abendlehrgängen in der Regel für das gleiche Thema mehr Zeit benötigen als in Tagesseminaren.
  4. Dann bauen wir für jeden Unterrichtstag einen „Endpuffer“ von etwa einer Unterrichtseinheit ein – diesen benötigen wir für längere Diskussionen, nötige Wiederholungen oder Pausen.
  5. Schließlich behalten wir immer eine Erkenntnis im Auge: Kein Plan überlebt den ersten Teilnehmerkontakt. Da die Bedürfnisse der Gruppe in der Regel immer Vorrang haben, verändert sich unser Trainingsplan immer! Weichen wir zu sehr vom Zeitplan ab, thematisieren wir dies in der Gruppe und geben Alternativen (Gespräch abbrechen, eigene Lernphasen, ...) zur Auswahl. 

Am Tempo-Regler drehen: Denk- und Sozialformen gezielt nutzen

Mit der Methodik-Maschine können wir die Zeitplanung noch professioneller gestalten, und zwar ganz einfach. Dazu müssen wir uns klarmachen, dass wir die Geschwindigkeit des Lernens vor allem mit den Denk- und Sozialformen steuern. Zwei Fälle sind für die Praxis relevant: 

  • Haben wir noch Unterrichtszeit zur Verfügung, ist es nicht unbedingt sinnvoll, neue Themen anzusprechen, da die Lern- und Konzentrationsfähigkeit sowie die Begeisterung auch begrenzt sind. Lernwirksamer ist eine geschickte Kombination von Denkformen (Perspektivwechsel regen immer zum Denken an; ebenso wettbewerbsorientierte Überprüfungen) und Sozialformen (Aktivierung des Themas durch Partnerarbeit, Erarbeitung des Themas in der Klein- oder Großgruppe). Auf diese Weise vergeht die Zeit wie im Flug und das Thema wird nochmals anregend gesichert.
  • Bemerken wir, dass uns die Zeit davonläuft, wähle ich kurzerhand Sozialformen, die weniger Zeit benötigen. Statt in Groß- oder Kleingruppen bearbeiten wir das gleiche Thema mit der Sozialform der Partner- oder Einzelarbeit (zur Not mit einem Lehrimpuls). Dieser Trick setzt voraus, dass ich in meinem Trainingsplan „Verhandlungsmasse“ habe. Aus neurobiologischer Sicht sinkt in der zweiten Hälfte des Unterrichts die Konzentrationsfähigkeit häufig ab – deshalb sind in diesem Zeitfenster interaktive Lehr- und Lernformen (wie eben Gruppenarbeiten) sinnvoll. Und genau das ist meine methodische Verhandlungsmasse, die ich nutzen kann, ohne dass es die Teilnehmenden negativ bemerken. 

Gekonntes pädagogisches Zeitmanagement ist somit eine professionelle Mischung aus umsichtiger Planung, Moderationskompetenz und dem gekonnten Einsatz der Methodik-Maschine. 

Probieren Sie es aus, viel Spaß, alles Gute und bis zum nächsten Mal, Ihr 

Unterschrift Gregor Kern

© Gregor Kern

 

Kern_Dr_Gregor

© Neele Fütterer

Über den Autor

Dr. phil. Gregor Kern

Ausbildung zum Großhandelskaufmann, danach Studium der Pädagogik einschließlich Promotion.
Seine wissenschaftlichen Schwerpunkte liegen in den Bereichen:

  • Lernen erwachsener Menschen
  • Zusammenarbeit, Kommunikation, Führung

Dr. Kern arbeitete viele Jahre für verschiedene IHKs im Bereich der beruflichen Bildung, zuletzt als pädagogischer Leiter des IHK-Bildungszentrums in Karlsruhe. Seit 2016 ist er freiberuflicher Trainer, Berater und Coach.

Meine Website: www.gregor-kern.de

Vektorkonzept für eine Menge unterschiedlicher Menschen

Methodik im Lehrgang reflektieren und verbessern

Mehr Wirkung im Unterricht – ohne mehr Stoff. In 13 kompakten Teilen bekommen Sie eine praxiserprobte „Methodik-Maschine“ vorgestellt, mit der Sie Trainings dramaturgisch spannender planen, Teilnehmende aktivieren und Lernergebnisse sicht- und transferfähig machen – evidenzbasiert, verständlich, sofort umsetzbar.