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Sozialformen

Beziehungen entwickeln und Gruppendynamiken positiv beeinflussen!

Plenum, Gruppe, Partner, Einzel – und jede Sozialform hat einen Zweck. Erfahren Sie, wie Sie Zusammenarbeit steuern, Gruppendynamik nutzen und Beteiligung wirklich erhöhen.

Wohltätigkeitsprojekt, Non-Profit-Organisation, winzige Menschen passen Puzzle in Herzform

© Flashvector/iStock/Getty Images Plus

Die zuletzt beschriebenen Denkformen ermöglichen eine anregende und abwechslungsreiche intellektuelle Auseinandersetzung mit einem Unterrichtsthema. Nun werfen wir einen Blick auf die nächste Zutat der Methodik-Maschine: Die bewusste Gestaltung des sozialen Miteinanders. Lerngruppen etablieren innerhalb nur weniger Treffen überaus stabile soziale Beziehungsgeflechte. Diese müssen aber nicht immer funktional und hilfreich für die Kompetenzerweiterung sein. Aus diesem Grund ist es unsere Aufgabe, die Beziehungsdichte durch gezielte Beziehungswechsel zu erhöhen. Dadurch unterstützen wir auch das partnerschaftliche Miteinander. Die Variation der Sozialformen ist hierfür ein gutes Hilfsmittel. 

Welche Sozialform passt?

Plenum

Bei dieser Sozialform agiert die gesamte Lerngruppe gemeinsam. Die Herausforderung besteht darin, alle Lernenden zu integrieren. Das kann über polarisierende Fragestellungen erreicht werden oder auch durch die direkte Ansprache ruhigerer Teilnehmenden (Vorsicht, nicht alle können und wollen vor einer ganzen Gruppe sprechen!). Als Dozent und Dozentin müssen wir hier über eine ausgewiesene Moderationskompetenz verfügen: angesprochene Gedanken durch geschickte Fragen weiterführen, Ideen prägnant zusammenfassen, eindeutig falsche Sichtweisen annehmbar korrigieren und schließlich den „roten Faden“ konsequent (aber nicht zu konsequent) verfolgen. 

Groß- und Kleingruppen

Die klassische Gruppenarbeit gehört wohl zu den beliebtesten (von Seiten der Dozierenden) und meist gehassten (von Seiten der Lernenden) Sozialformen. Großgruppenarbeiten teilen die Lehrgangsgruppe in zwei Hälften, sodass mindestens acht Teilnehmende in einer Gruppe sind. Kleingruppenarbeiten umfassen maximal sieben Lernende. Gelungene Gruppenarbeiten sind eine wahre Kunst. Deswegen widmen wir uns dieser herausfordernden Sozialform später einen eigenen Gedankengang. 

Partnerarbeit

Während Gruppenarbeiten häufig viel wertvolle Unterrichtszeit in Anspruch nehmen, sind Partnerarbeiten (oder Kleingruppen bis zu vier Personen) wesentlich schneller zu realisieren. Gerade, wenn es um eine kurze Reflexion geht („Besprechen Sie sich kurz mit Partner-, Vorder-, Hinterperson.“). Partnerarbeiten können aber auch einen intensiveren Charakter annehmen, wenn es darum geht, gemeinsam ein adäquates Problem (z.B. eine Praxis- oder Prüfungsaufgabe) zu lösen. 

Einzelarbeit 

Wie der Name schon sagt, wird hier der Lernende eingeladen, sich allein (online oder offline) mit all seinem Engagement und seiner Kompetenz einem Thema zu widmen. Die Einzelarbeit ist die akustisch ruhigste und vielleicht auch konzentrierteste Form der Themenaneignung. Aus diesem Grund sollte sie nicht zu häufig oder lange eingesetzt werden, da sonst die individuelle Konzentrationsfähigkeit und die Lernatmosphäre darunter leiden. 

Begleiten statt „laufen lassen“

Alle Sozialformen, von der Plenumsarbeit bis hin zur Einzelarbeit, benötigen das persönliche und vor allem eigenverantwortliche Engagement der Lernenden. Als Dozent oder Dozentin geben wir den Lernenden die Möglichkeit zur Zusammenarbeit, aber nicht die Verpflichtung. Ein zentraler Erfolgsfaktor aller Sozialformen ist, dass sich alle Lernenden stets gut begleitet fühlen und nicht den Eindruck gewinnen, dass uns eine aktive Mitarbeit egal ist. 

Werfen Sie in den nächsten Tagen einfach einen Blick auf Ihre Unterrichtskonzeptionen. Bereichern Sie Ihren Unterricht doch bewusster mit verschiedenen Sozialformen. Und beobachten Sie die Stimmungsveränderung in der Lerngruppe. 

Viel Spaß, alles Gute und bis zum nächsten Mal, Ihr 

Unterschrift Gregor Kern

© Gregor Kern

 

Kern_Dr_Gregor

© Neele Fütterer

Über den Autor

Dr. phil. Gregor Kern

Ausbildung zum Großhandelskaufmann, danach Studium der Pädagogik einschließlich Promotion.
Seine wissenschaftlichen Schwerpunkte liegen in den Bereichen:

  • Lernen erwachsener Menschen
  • Zusammenarbeit, Kommunikation, Führung

Dr. Kern arbeitete viele Jahre für verschiedene IHKs im Bereich der beruflichen Bildung, zuletzt als pädagogischer Leiter des IHK-Bildungszentrums in Karlsruhe. Seit 2016 ist er freiberuflicher Trainer, Berater und Coach.

Meine Website: www.gregor-kern.de