© TarikVision/iStock/Getty Images Plus
Wir kennen nun schon die vier zentralen Elemente pädagogischer Methoden und die Chancen, die sich für uns daraus eröffnen.
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Wir kennen nun schon die vier zentralen Elemente pädagogischer Methoden und die Chancen, die sich für uns daraus eröffnen.
Werfen wir nun einen genaueren Blick auf den ersten Bereich der Methodik-Maschine: Die wichtigsten Denkformen, mit denen sich die Lernenden ein Thema aneignen können. Sie können dabei jede Denkform in jeder Lernphase, also im Einstieg, in der Erarbeitung und im Ausstieg anwenden.
Lehr- oder Wissensimpulse
Hierunter fallen alle klassischen Vorträge und Erklärungen und Kurzzusammenfassungen. Wir erzählen, um was es geht und wie etwas geht, welche Hintergründe wichtig sind und welche Konsequenzen daraus entstehen. Einprägsame Lehrimpulse zeichnen sich vor allem durch fünf Faktoren aus: Problem- bzw. Lösungsorientierung, klare bzw. nachvollziehbare Argumentationswege, ausgewiesene Prägnanz, passende Metaphern und Geschichten und nicht zuletzt eine angenehme Rhetorik.
Lehrdialoge oder -gespräche
Dialoge beleuchten das Thema mithilfe geschickter, mitunter ungewöhnlicher Fragestellungen (durch uns und die Teilnehmenden). Lehrgespräche können problemorientiert („Was möchten wir lösen?“) oder offen („Was machen wir nun damit?“) sein. Nachhaltige Dialoge erfordern von uns, dass wir unser Wissen situativ an den Fragestellungen orientierten und das Thema perfekt beherrschen. Nicht zuletzt brauchen wir eine profunde Moderationskompetenz, um die Lerngruppe auf Kurs zu halten.
Freie Assoziationen
Diese Denkformen sprechen ein Thema primär auf der emotionalen Ebene an. Brainstorming, Blitzlichter und Mindmaps gehören zu den bekanntesten assoziativen Denkformen. Man kann auch Aussagen ergänzen lassen („Eine gute Investitionsrechnung ist wie ...“), einen Blick aus dem Fenster wagen („Was sehen Sie, das mit einer idealen Prozesskette zu tun hat?“) oder mit Bildern bzw. Gegenständen arbeiten („Was haben mein Flipchartmarker und gute Personalführung gemeinsam?“).
Themenfokussierungen
Diese Denkformen bringen u. a. erworbenes (Vor-)Wissen bzw. Kompetenzen prägnant auf den Punkt. So kann man das Thema in verschiedene Kategorien (leicht vs. schwer oder Fakten vs. Annahmen) sortieren. Oder man fasst das Thema auf einer Seite, im Extremfall in einem Motto, zusammen (und präsentiert es in 60 Sekunden). Klassische Merksätze dürfen wir hier natürlich nicht vergessen.
Perspektivwechsel
Mit diesen Denkwerkzeugen laden wir die Lernenden dazu ein, ein Thema bewusst aus verschiedenen Sichtweisen zu beleuchten. Während die Pro-Contra-Methode („Was spricht dafür/dagegen, dass wir eine buchhalterische Abgrenzung durchführen?“) polarisiert, können fachorientierte multidimensionale Perspektiven sinnvoll sein („Was halten a) Arbeitgeber, b) Angestellte, c) Gewerkschaften, d) die Gesellschaft von der betrieblichen Mitbestimmung – und warum?“). Mein liebster Perspektivwechsel ist die Frage „Was ist das Gute im Schlechten?“.
Überprüfungen
Die Fragen „Ist das wirklich so?“, „Wie gut/schnell kannst du die Prüfungsaufgabe lösen?“ oder „Wer kann das in seinem Unternehmen konkret anwenden?“ gehören zur Gruppe der überprüfenden Denkformen. Der Abgleich zur Wirklichkeit steht immer im Vordergrund und eignet sich immer dann, wenn es um prägnante Konkretisierungen und nachhaltige Aha-Effekte geht.
Durch den gezielten Einsatz dieser Denkformen kann jedes Thema spannender, interaktiver und einprägsamer eingeführt, bearbeitet und abgeschlossen werden.
Werfen Sie in den nächsten Tagen einfach einen Blick auf Ihre Unterrichtskonzeptionen. Bereichern Sie Ihren Unterricht doch einmal durch drei neue Denkformen. Die Lernenden werden dankbar sein!
Viel Spaß, alles Gute und bis zum nächsten Mal, Ihr
© Gregor Kern
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Dr. phil. Gregor Kern
Ausbildung zum Großhandelskaufmann, danach Studium der Pädagogik einschließlich Promotion.
Seine wissenschaftlichen Schwerpunkte liegen in den Bereichen:
Dr. Kern arbeitete viele Jahre für verschiedene IHKs im Bereich der beruflichen Bildung, zuletzt als pädagogischer Leiter des IHK-Bildungszentrums in Karlsruhe. Seit 2016 ist er freiberuflicher Trainer, Berater und Coach.
Meine Website: www.gregor-kern.de