Wir wissen schon, dass es bei pädagogischen Methoden um ausgefeilte Dramaturgien geht, die dem Lernenden Lust machen, in das Thema einzusteigen, dabei zu bleiben und das Thema weiter zu verfolgen. Aber was bedeutet das konkret?
Die meisten Bücher zum Thema Unterrichtsmethodik fokussieren spielerische Methoden, die im IHK-Unterricht oft schwer anzuwenden sind. Wir entwickeln hingegen eine praxistauglichere Perspektive auf Unterrichtsmethoden. Ich bezeichne mein Konzept als Methodik-Maschine. Mit ihr können wir 720 Unterrichtsmethoden sofort aktiv einsetzen! Aus dieser Sicht bestehen Unterrichtsmethoden aus vier Elementen: Denkform, Sozialform, Denkort und Visualisierung. Schauen wir uns das genauer an:
Die vier Bausteine von Unterrichtsmethoden
Die Denkformen
Hier geht es darum, mit welchen kognitiv-intellektuellen Fragestellungen man das Thema begreifbarer macht. Beispiele hierfür sind der klassische Wissensimpuls, das Lehrgespräch, die freie Assoziation, die Themenfokussierung, der Perspektivwechsel oder die Überprüfung.
Die Sozialformen
Dieses Element beantwortet die Frage, in welcher Beziehung die Mitlernenden das Thema beleuchten. Arbeitet die gesamte Lerngruppe am Thema? Wird das Thema in Kleingruppen erarbeitet? Oder eignen sich die Lernenden das Thema in Partner- oder sogar in Einzelarbeit an?
Die Denkorte
Der eigene Lernplatz ist im Unterrichtsraum sicher der häufigste Lernort. Es können aber auch Lernplätze getauscht oder der Unterrichtsraum genutzt werden. Das gesamte Lerngebäude steht ebenfalls zur Verfügung. Oder man plant das Homeoffice, den Arbeitsplatz oder das Internet (mit seinen virtuellen Möglichkeiten) als zusätzliche Lernräume bewusst ein.
Die visuelle Darstellung
Hier geht es darum, wie der Lernweg visuell begleitet wird. Ob man den „Weg zur Erkenntnis“ mit A-Formaten (Arbeitsblätter, Skripten etc.), analogen (Flipchart, Pinnwand, Whiteboard) oder digitalen Medien (alles über den Beamer, Smartphones oder Smartboards) begleitet, ist durchaus mitentscheidend.
Diese analytische Aufteilung eröffnet uns eine Chance: Wir können unseren Unterricht schnell, spontan und sofort abwechslungsreicher gestalten! Das geht ganz einfach. Wir kombinieren jeden Lerninhalt mit verschiedenen Denkformen, Sozialformen, Denkorten und Visualisierungen.
Freie Wahl: Es geht so … oder so … oder so
Nehmen wir ein x-beliebiges Thema, dass als Lehrimpuls für die gesamte Gruppe (alle sitzen auf ihren Plätzen) mit einer PowerPoint-Präsentation gezeigt wird. Aber wir könnten auch so vorgehen:
Sozialform: Partnerarbeit: „Beantworten Sie die Frage mit einer anderen Person im Gespräch und finden Sie mindestens drei Probleme.“
Denkort: Lerngebäude: „Spazieren Sie während der Beantwortung einmal um das Gebäude.“
Visualisierung: Die Schlüsselfragen (ergänzt durch Dozent/-in) werden im Plenumsgespräch auf einer Flipchart sichtbar gemacht.
Anschließend wird das Thema anhand der (sortierten und ergänzten) Schlüsselfragen gemeinsam (oder durch Fachimpulse) beleuchtet.
Werfen Sie einen Blick auf Ihre Unterrichtskonzeptionen. Sicher entdecken Sie einige Möglichkeiten, mit denen der Lerntag anregender gestaltet werden kann.
Viel Spaß, alles Gute und bis zum nächsten Mal, Ihr
Ausbildung zum Großhandelskaufmann, danach Studium der Pädagogik einschließlich Promotion. Seine wissenschaftlichen Schwerpunkte liegen in den Bereichen:
Lernen erwachsener Menschen
Zusammenarbeit, Kommunikation, Führung
Dr. Kern arbeitete viele Jahre für verschiedene IHKs im Bereich der beruflichen Bildung, zuletzt als pädagogischer Leiter des IHK-Bildungszentrums in Karlsruhe. Seit 2016 ist er freiberuflicher Trainer, Berater und Coach.
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