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Der erste Eindruck

Begegnen wir einer oder einem Fremden, entscheidet sich innerhalb von Sekunden, ob wir die Person sympathisch finden – oder nicht. Das Gleiche passiert auch bei Ihrem ersten Auftritt als Dozentin oder Dozent bei jedem Starttermin eines neuen Lehrgangs. Wir haben ein paar Tipps eingesammelt …

Bei einem Erfahrungsaustausch unter IHK-Dozentinnen und -Dozenten berichtete ein Kollege, dass er einen Perspektivwechsel vollzogen habe. Natürlich habe er gewusst, dass das Unterbewusstsein beim Kennenlernen eines anderen Menschen innerhalb von Sekundenbruchteilen die erste grundlegende Einschätzung dominiert. 

Reifer Geschäftsmann, der sich dem Führungsteam präsentiert

© xavierarnau/E+/Getty Images

Bislang habe er dabei aber immer den Blickwinkel eingenommen, dass vor allem er sich dessen bewusst sein müsse, um allen Teilnehmenden eines Lehrgangs fair und neutral zu begegnen. Schließlich soll es nichts bedeuten, wie jemand gekleidet ist, ob jemand einen starken Dialekt spricht oder Ordnung auf seinem Tisch hält: Es sollte doch viel mehr zählen, wie engagiert und neugierig die Teilnehmerin oder der Teilnehmer im Lehrgang mitmacht, welche Kompetenzen sie oder er schon mitbringt und wie die Person sich im Lauf der Zeit entwickelt. 

Nun aber, nach X Lehrgangsdurchführungen, habe er das Ganze zum ersten Mal ernsthaft aus der Perspektive der Teilnehmenden durchdacht: Wie wirke ich eigentlich spontan auf die Teilnehmenden? Und in welche Schublade werde ich von ihnen schon mit meinem ersten Auftreten bei der Begrüßungs- und Vorstellungsrunde einsortiert?

Die anschließenden Gespräche im Kreis der Dozentinnen und Dozenten waren voll von persönlichen Erlebnissen, die die Bedeutung dieser Frage bestätigten. Eine Dozentin berichtete zum Beispiel, dass sie einmal bei den ersten drei Terminen eines neuen Lehrgangs unter den letzten Folgen einer Stimmbandentzündung litt und sich noch kränklich und krächzend anhörte. Die Lehrgangsteilnehmerinnen und -teilnehmer verhielten sich ihr gegenüber dann auch eher bemitleidend, als ob sie eine „arme gestresste Frau“ wäre, die von ihrem Hauptberuf völlig überfordert ist. Bei dieser Stimme gingen die meisten der Teilnehmenden nicht davon aus, dass ihre Dozentin souverän, fachlich kompetent und erfolgreich in der Berufspraxis vor ihnen steht. Dementsprechend kam in den besagten drei Terminen auch nur ein zähes Miteinander zustande, bei dem die Begeisterung für die Themen einfach nicht übersprang. Die hörbare Besserung der Stimme änderte die Situation dann zwar, doch es brauchte seine Zeit, denn sind die Weichen gestellt und ist der Zug erst einmal in Fahrt gekommen, korrigiert sich die Konstellation nicht von allein.

Aber der Reihe nach: Was sind die wesentlichen Stellschrauben, die Sie bei Ihrem ersten Auftritt gegenüber einer neuen Gruppe von Lehrgangsteilnehmerinnen und -teilnehmern drehen können – nicht, um „everybody’s darling“ zu sein, sondern um für den weiteren Verlauf Ihrer Lehrgangsdurchführung einfach eine gute Startposition und die Unterstützung Ihrer Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu erreichen?

Hier gelten im Grunde die gleichen Prinzipien, jedoch mit dem Unterschied, dass die Technik wesentlich in die Gesamtsituation hineinspielt. Die wichtigsten zusätzlichen Tipps lauten bei Online-Lehrgängen daher: 

  • Eine stabile Internetverbindung ist das A und O. Wenn es möglich ist, reduzieren Sie daher den sonstigen Traffic an dem Ort, von dem aus Sie unterrichten, indem Sie zum Beispiel weitere Geräte, die mit dem Internet verbunden sind, für die Dauer des Lehrgangs abschalten oder andere Beteiligte bitten, das Streamen von Videos oder Musik auf später zu verschieben.
  • Die Kamera macht das Bild, sorgen Sie deshalb für Helligkeit im Raum. Wenn die Kamera Ihr Gesicht auf Augenhöhe oder sogar etwas von oben aufnimmt, wirkt das meistens besser als eine Kameraeinstellung von unten.
  • Ob Sie verständlich sind, entscheidet auch Ihr Mikrofon. Testen Sie am besten einige Tage vor Ihrem ersten Online-Auftritt die Mikrofon- und Soundqualität, indem Sie sich mit einer Person online verbinden und hierbei auch verschiedene Mikrofoneinstellungen, z. B. die automatische Rauschunterdrückung, ausprobieren. 
  • Last but not least: Vergewissern Sie sich, dass Sie die wesentlichen Funktionen der verwendeten Videokonferenz-Anwendung, z. B. MS-Teams, zoom oder WEBEX sicher beherrschen, denn Probleme mit der Handhabung der Technik bedeuten Stress und Stress wirkt sich negativ auf Ihre geplanten Unterrichtssessions aus. 

Ein aufgrund technischer Schwierigkeiten holpriger Lehrgangsstart sagt selbstverständlich nichts über die Fachkompetenz und Persönlichkeit der Dozentin bzw. des Dozenten. Aufseiten der Teilnehmerinnen und Teilnehmer beeinträchtigt er aber in jedem Falle, dass es geradlinig zu einem positiven Eindruck kommt und Vorfreude auf die nächste Online-Session entsteht.

Die eine Sache ist, was jemand beim ersten Kennenlernen sagt, die andere ist, wie er oder sie es sagt. Gerade bei der Eröffnung eines neuen Lehrgangs lauschen die Teilnehmenden ihren Dozentinnen und Dozenten mit einer besonderen, durch das nonverbale Auftreten hoffentlich geförderten Neugier. Werden die geplanten Lehrgangsstunden mit dieser Dozentin bzw. diesem Dozenten interessant sein und Spaß machen? Oder wird das sterbenslangweilig? Holt sie bzw. er die Teilnehmenden „richtig“ ab und nimmt sie mit? Oder zieht sie ihren bzw. zieht er seinen Unterricht einfach durch und wer nicht mitkommt, hat dann eben Pech gehabt? 

In der ersten Session eines neuen Lehrgangs geben Sie immer zu verstehen, wie Sie Ihre Rolle als Dozentin bzw. Dozent verstehen, und legen damit zumindest für die nächsten Termine schon einmal den gemeinsamen Kurs fest. Ein Perspektivwechsel und das Ausloten möglicher Extreme hilft auch hier, den eigenen, persönlich passenden Stil zu finden. Denn was würden Sie selbst von einer Dozentin oder einem Dozenten beim Start Ihrer eigenen Weiterbildung erwarten? Sicher nicht eine Person, die wie eine Vorgesetzte auftritt. Und auch nicht jemanden, der erst einmal auf Kumpel macht. Diese Spannweite zeigt sich in der Stimme, der Sprechmodulation und in der Strukturiertheit: „Sie dürfen von mir XYZ erwarten, im Gegenzug erwarte ich von Ihnen ABC …“ – klingt zwar professionell, hört sich aber von oben nach unten an. „So, Jungs und Mädels, dann lassen wir‘s mal krachen …“ – hört sich nach Besuch im Freizeitpark an, aber nicht nach beruflicher Weiterbildung. 

Wie finden Sie Ihre Tonlage und die „richtigen“ Worte passend zur Situation „Lehrgangseröffnung“? Am besten durch Feedback von Personen, die die Herausforderung selbst kennen oder zumindest gut nachvollziehen können, zum Beispiel ein anderer Dozent, die gute Freundin oder ein Familienmitglied. Wie bei einer guten Präsentation gegenüber Kolleginnen und Kollegen – denn die Teilnehmenden sind nicht das Top-Management und auch nicht die „Kegelbrüder“ – gilt es, inhaltlich und formal souverän aufzutreten und das lässt sich am besten in einem geschützten Umfeld trainieren. Simulieren Sie doch zusammen mit einer anderen Dozentin oder einem anderen Dozenten einmal Ihre Lehrgangseröffnung in Kurzform und geben Sie der beteiligten Person die Bitte mit, auf folgende Punkte zu achten:

  • Spreche ich klar? Oder sind meine Sätze zu lang, zu verschachtelt? Wie empfindest du meine Tonlage?
  • Ist meine Eröffnung anregend und weckt sie Neugier auf die Inhalte, die ich unterrichten werde?
  • Wie wirkt meine Körpersprache auf dich? 
  • Ist die Abfolge der Punkte, die ich bei der Lehrgangseröffnung anspreche, nachvollziehbar und klar? Zum Beispiel 
    1. die Vorstellung meiner Person, dann 
    2. eine Kennenlernrunde, bei der die Teilnehmenden sich kurz vorstellen und auch ihre Erwartungen äußern sollen, dann
    3. ein ganz kurzer Ausblick, was die Teilnehmenden am Ende meiner Lehrgangstermine können, wenn alles klappt, dann 
    4. die Klärung einiger für mich wichtigen gemeinsamen Spielregeln und schließlich 
    5. ein Einstieg ins Thema, der die Teilnehmenden gleich aktiviert und mit etwas Humor verbunden ist. 

Natürlich können Sie Ihre Lehrgangseröffnung auch ganz anders aufziehen. Doch es lohnt sich in jedem Fall, die Aspekte nonverbaler Auftritt, Stimme, Sprechmodulation und Strukturiertheit zu hinterfragen und sich selbst ggf. durch geeignete Personen, die die Situation verstehen und mit denen man sich darüber konstruktiv austauschen kann, auch bewusst zu machen. Umso besser der erste Auftritt gelingt und der erste Eindruck aus Sicht der Mehrheit der Teilnehmenden vielversprechend verläuft, desto leichter werden die zweite, dritte und vierte Session sowie die Aktivierung der Teilnehmenden zum Mitdenken, Mitdiskutieren und Mitmachen. Teilnehmende, die bei der Sache sind und mitarbeiten, darin sind sich so ziemlich alle Dozentinnen und Dozenten einig, sind ein Schlüssel dafür, dass das Unterrichten Spaß macht und das wiederum ist einer der wichtigsten Faktoren für erfolgreiche Bildung überhaupt.

Die meisten IHKs und IHK-Bildungszentren veranstalten regelmäßige Dozentenmeetings und schaffen damit wertvolle Gelegenheiten zum Erfahrungsaustausch untereinander. Nutzen Sie diese Angebote, um von Lösungen anderer zu profitieren und mit (noch mehr) Freude unterrichten zu können. 

Ihre Erfahrungen sind gefragt

Welche Tipps und Tricks geben Sie anderen Dozentinnen und Dozenten für den besonders richtungsweisenden ersten Lehrgangstermin mit auf den Weg? Welche Erfahrungen haben Sie gemacht? Welche Geschichten haben Sie erlebt?

Wir sammeln Ihre Rückmeldungen und möchten diese, auf Wunsch auch anonymisiert, gerne als Anregung und Inspiration anderen Dozierenden auf WISSENSWERT zur Verfügung stellen. 

Schreiben Sie uns gerne an: redaktion@wissenswert.de